Lebensenergie

Reichs weitere wissenschaftlichen Anstrengungen waren gerichtet auf die Erforschung der biologischen Grundfunktion der Emotionen. Dazu unternahm er die Messung der elektrischen Hautpotentiale an Versuchspersonen, die jeweils unterschiedlichen Stimulantien, z. B. sanftes Streicheln, Küssen, Trinken von Zuckerwasser, oder Knall eines Luftballons, ausgesetzt wurden. Reich konnte zeigen, dass die gemessenen Spannungswerte, einige -zig Millivolt, mit der Qualität der Gefühle der Versuchspersonen korrelierten.
Ein weiteres Forschungsobjekt dieser Zielrichtung waren einzellige Lebewesen, deren Bewegungen und plasmatische Strömungen unter dem Mikroskop von ihm beobachtet wurden. Reich erkannte in den plasmatischen Strömungen im Inneren dieser Lebewesen das Äquivalent zur emotionalen Bewegtheit der mehrzelligen Organismen, und auch des Menschen. Eine Amöbe streckte z. B. "neugierig lustvoll" ihre Pseudopodien aus, um die Welt zu erkunden. Wurde sie mit einem spitzen Gegenstand gequält, so zog sie sich eine Zeitlang ängstlich zu einer Kugel zusammen. Wurde sie wiederholt so behandelt, öffnete sie sich nicht mehr und starb. Die emotionalen Funktionen von Lust und Angst mussten also eine grundlegendere biologische Funktion darstellen, wenn diese bereits in einem äußerst primitiven Lebewesen ohne Gehirn und Nervensystem vorhanden waren.

Gelegentlich kam Reich im Rahmen seiner psychiatrischen Tätigkeit auch mit der Krebserkrankung in Berührung. Krebs trat überproportional häufig an Geschlechtsorganen auf. So entschloß er sich, die Forschungsarbeit zum Thema Krebs aufzunehmen, wobei ihm zunächst krebskranke Mäuse als Forschungsobjekt dienten.

Bei seinen Arbeiten mit elementaren Lebensformen, den Bionen, war er darauf gestoßen, dass diese die Eigenschaft haben, Krebszellen abzutöten, was unter dem Mikroskop beobachtbar war. Als erstes wurden den Krebsmäusen sog. Bionlösungen injiziert. Erst nach langwierigen Versuchsreihen konnten erste Erfolge erzielt werden. Der Durchbruch kam dann, als die Lebensenergie, das Orgon, im Orgonakkumulator konzentriert werden konnte. Nachdem der Behandlungserfolg im Tierversuch abgesichert war, nahm Reich erste Therapieversuche an von der Schulmedizin aufgegebenen menschlichen Krebspatienten auf. Es gelang überraschenderweise sehr bald, Tumoren zu zerstören und das Allgemeinbefinden der Erkrankten zu verbessern. In manchen Fällen wurden die Tumoren sogar so schnell zerstört, dass dies zum Problem wurde. Die Nieren wurden durch zerstörtes Tumormaterial verstopft und überlastet, was bei einigen Patienten zum Tod führte. Bei Patienten, bei denen die Tumorerkrankung erfolgreich zurückgedrängt werden konnte, traten neurotische Störungen in den Vordergrund, die eine vollständige Heilung der Erkrankung verhinderten.

Reich kam zu der Einsicht, dass die Krebserkrankung nicht darin besteht, dass ein ansonsten gesunder Körper von einem Tumor befallen wird, der durch lokale Zerstörungen den Tod herbeiführt, sondern dass der Tumor eine von mehreren Krankheitserscheinungen in einem durch eine sexualfeindliche Erziehung erworbene emotionale Blockaden schwer gestörten Organismus ist, und dass Krebskranke zumeist an "allgemeiner Auszehrung" und nicht an den durch den Tumor hervorgerufenen Zerstörungen sterben. Er nannte den Krebs eine Schrumpfungs-Biopathie.

Bei einigen der von Reich behandelten, wie bereits erwähnt, aufgegebenen Krebsfällen gelang es, durch Anwendung des Orgonakkumulators und durch psychiatrische Orgontherapie, einige Jahre eines beschwerdefreien Lebens zu erreichen. Eine völlige Heilung der Krebsbiopathie gelang nicht.